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Wir sind eine gemeindepsychiatrische Kontakt- und Beratungsstelle
im Herzen Potsdams unweit vom Platz der Einheit.
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Tel.: 0331. 241 – 4 7511
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i-Punkt – Gemeindepsychiatrische Kontakt- und Beratungsstelle

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„Auf der Spur des Morgensterns“ – Erinnerung an Dorothea Buck, Mitbegründerin des Psychoseseminars

Dorothea Buck liest ihre Rede „70 Jahre Zwang in deutschen Psychiatrien – erlebt und miterlebt“, die sie als Hauptvortrag am 7. Juni 2007 beim Kongress „Coercive Treatment in Psychiatry: A Comprehensive Review“ („Psychiatrische Zwangsbehandlung – Ein Überblick“), veranstaltet von der World Psychiatric Association in Dresden vom 6. bis 8. Juni 2007, gehalten hat.

Heute wollen wir Dorothea Buck (* 5. April 1917; † 9. Oktober 2019) vorstellen, die 1989 zusammen mit Thomas Bock in Hamburg das Psychoseseminar und 1992 den Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener gründete. In diesem YouTube-Video liest Dorothea Buck ihre Rede, die sie am 07.06.2007 im Rahmen des Kongress „Psychiatrische Zwangsbehandlungen – ein Überblick“ vor der World Psychiatrie Assoziation in Dresden gehalten hat. Man sieht eine sympathische und kluge Frau, die über ihre bewegenden Lebenserfahrungen spricht, während immer wieder humorvoll ein Augenzwinkern die Schwere durchbricht. Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes hat in mehreren Psychiatrie-Aufenthalten Zwangsbehandlungen bis hin zur Zwangssterilisation erlebt. In ihrer Rede berichtet sie vom Erlebten, beschreibt aber auch, wie sie sich Psychiatrie heute wünschen würde und wie sie in ihrer Psychose einen Sinn finden konnte.

Dorothea Buck erlebte im Laufe ihres Lebens mehrere psychotische Schübe und Psychiatrie-Aufenthalte, den ersten davon 1936 mit 19 Jahren, wo bei ihr in Bethel, den Bodelschwinghschen Anstalten in Bielefeld, Schizophrenie diagnostiziert wurde. Neben menschenrechtsverletzenden Zwangsmaßnahmen empfand sie bei ihrem damaligen Psychiatrie-Aufenthalt besonders traumatisierend, dass mit ihr nicht gesprochen worden sei. In ihrem Vortrag verbindet Buck ihre eigenen Psychiatrie-Erfahrungen mit der Geschichte psychiatrischer Behandlung in Deutschland vom Nationalsozialismus bis heute. Ruhig, aber bestimmt prangert sie die Kooperation von Klinikleitungen mit dem NS-Regime bei der Vollstreckung der „Euthanasie-Aktion T4“, dem Massenmord an fast 200.000 Menschen, an (vgl. Lehmann 2017: 153). Buck wird zur Vorkämpferin für die Rechte von Menschen mit psychischen Erkrankungen und verarbeitet ihre Erfahrungen im Buch „Auf der Spur des Morgensterns“, das sie unter dem Pseudonym Sophie Zerchin veröffentlicht, ein Anagramm des Wortes Schizophrenie.

Doch Dorothea Buck zeigt sich hoffnungsvoll. Sie entwirft die Vision von einer modernen Psychiatrie, indem die Gesprächspsychotherapie im Vordergrund steht. Wertschätzende Annahme, aufmerksames Zuhören und die gemeinsame Suche nach einem Sinn in der Psychose sind für sie die wichtigsten Faktoren für Genesung. Für diese Form des Austausches hat sie schließlich 1989 zusammen mit dem Hamburger Prof. Dr. Thomas Bock das Psychoseseminar ins Leben gerufen. Bock, der die Spezialambulanz für Psychosen und Bipolare Störungen am UKE Hamburg leitet, engagiert sich für die Anti-Stigmatisierung psychisch Erkrankter.

Psychoseseminare sind Gesprächsforen, in denen ein gleichberechtigter Austausch auf Augenhöhe stattfinden darf. Dabei kommen Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und Interessierte an einen Tisch, um das Thema Psychose gemeinsam und ganzheitlich zu betrachten. Lehrende werden zu Lernenden und die Betroffenen zu Expert*innen durch eigene Erfahrung. Diese Form des Austauschs nennt sich Trialog und der trialogische Ansatz ist auch richtungsgebend für die Arbeit des i-Punkt. In der Zusammenarbeit zwischen Betroffenen, Angehörigen und den Mitarbeiter*innen verstehen wir jeden als Experten aus seiner Perspektive heraus, ein Austausch erfolgt auf Augenhöhe. Zudem bietet das Psychoseseminar, das sich in den Räumen des i-Punktes trifft, die Möglichkeit nach einem kurzen Impulsvortrag zum Verständnis von Psychosen auch mit Angehörigen, Fachkräften und interessierten Besucher*innen ins Gespräch zu kommen.

Nachdem das Psychoseseminar dieses Frühjahr im i-Punkt pandemiebedingt ausfallen musste, werden jetzt die geplanten Themen aufgegriffen und das Psychoseseminar startet in Kooperation mit der FH Potsdam pünktlich zum neuen Wintersemester. Am kommenden Mittwoch, dem 14.10., um 18 Uhr geht es los mit dem Thema „Alles wird in Fragen gestellt – Erleben der Psychose“ mit den Moderatoren Laura Angermann und Kai Dargel. Herzlich willkommen!

Links:

Arbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrene Brandenburg (AG PEB), zum Herunterladen: Flyer

Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE)

Trialog-Psychoseseminar

Psychoseseminar Potsdam

Download:

Die blaue Broschüre (Thomas Bock (Hrsg.) (1997): „Es ist normal, verschieden zu sein! Verständnis und Behandlung von Psychosen“, Blaue Broschüre, Bonn: Psychiatrie-Verlag.)

Quellen:

Lehmann, Peter (2017): „Sterben unter psychiatrischer Behandlung. Gedanken zur „Euthanasie“ über den gestrigen Tag hinaus“, in: Kontaktgespräch Psychiatrie: „Gegen das Vergessen – Mit der Geschichte lernen. Beiträge zur „Euthanasie“ im Nationalsozialismus und die Bedeutung des Erinnerns für die Gegenwart“, Bremen: Irrtum (Arbeitsbereich der Initiative zur sozialen Rehabilitation e.V.), S. 148-155.

Youtube (2020): „Dorothea Buck Rede (deutsche Fassung) beim WPA Kongress 2007“, URL: https://www.youtube.com/watch?v=vEpO1AEtxO0.

Wikipedia (2020): „Dorothea Buck“, Eintrag vom 06.08.2020, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Buck.

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