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Das Konzept eines „Living Museum“ – Interview mit der Kunsttherapeutin Beata Kruk

Beitrag auf arttv über das Living Museum in Wil, St. Gallen, Schweiz, vorgestellt von Rose Ehemann, Gründerin und Leiterin.

Die Potsdamer Kunsttherapeutin Beata Kruk war 2019 in der Schweiz und hat dort die Idee des „Living Museum“ kennen gelernt: ein Ort für Menschen mit Psychiatrieerfahrung, um künstlerisch aktiv zu werden und den eigenen Weg ins Kunstschaffen zu finden. Wir haben Frau Kruk gefragt, was sie am Living Museum begeistert und was das Besondere an diesem Konzept ist.

i-Punkt: „Liebe Frau Kruk, Sie waren als Kunsttherapeutin in der Schweiz und haben dort im ‚Living Museum‘ in Wil gearbeitet. Wie sind Sie dazu gekommen?“

Beata Kruk: „Im Rahmen meiner Klinisch Kunsttherapeutischen Ausbildung habe ich nach Praxiserfahrung gesucht, die meinem Verständnis der kunsttherapeutischen Arbeit entspricht und das Potential von Kunst tatsächlich ausschöpft. In der Umgebung wurde ich jedoch nicht fündig. Die ‚Ateliers – Living Museum‘  in Wil entdeckte ich später bei der Recherche zu meiner Abschlussarbeit. Es hat mich so begeistert, dass ich trotz der Entfernung gleich den Kontakt zu Frau Dr. Rose Ehemann, der Leiterin der Ateliers, gesucht habe und mich tatsächlich bald darauf auf den Weg in die Schweiz machen konnte.“

i-Punkt: „Was ist ein ‚Living Museum‘?“

Beata Kruk: „Das ‚Living Museum‘ ist ursprünglich ein Konzept aus New York. Ins Leben gerufen wurde es 1983 von dem ungarischen Psychologen und Künstler Dr. Janos Marton und dem polnischen Künstler Bolek Greczynski  vor dem Hintergrund der europäische Art- Brut- Bewegung.

Es ist ein offenes Atelier für Menschen mit Psychiatrieerfahrung und  gleichzeitig ein Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst. Es ist ein absoluter künstlerischer Freiraum, ermöglicht selbstbestimmtes Handeln und bietet den Halt einer sozialen Gemeinschaft. Vor allem jedoch ermöglicht es einen Identitätswandel, der aus einem psychisch belasteten Menschen eine Künstlerpersönlichkeit erschafft. Diese Künstleridentität bietet eine anerkannte Rolle innerhalb der Gesellschafft und die Möglichkeit, sich mit den persönlichen Fähigkeiten im gesellschaftlichen Dialog einzubringen und ihn aktiv mitzugestalten.

Das hohe künstlerische Potenzial von Menschen, die psychische Extremerfahrungen gemacht haben, wird im Living Museum gewürdigt und in Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert. Die Kunst, die im Living Museum entsteht, ist absolut authentisch: sie entsteht meist aus einer existenziellen Notwendigkeit heraus, zeigt deren Realität ungeschönt und unmaskiert und will sich weder anpassen noch gefallen. Deshalb sind die Werke für uns so intensiv und inspirierend.“

i-Punkt: „Für wen ist das Living Museum gedacht – wer kann dort kreativ tätig sein?“

Beata Kruk: „Die ‚Ateliers – Living Museum‘ in Wil sind ein Angebot für alle stationären und ambulanten Patienten der Psychiatrischen Kliniken St. Gallen.“

Beata Kruk: „Schon während meines Aufenthaltes dort stand für mich fest, dass das Angebot auch für die Menschen in Potsdam zur Verfügung stehen sollte.“

i-Punkt: „Gibt es einen festen Tagesablauf oder wie ist der Alltag dort organisiert?“

Beata Kruk: „Der Alltag im Living Museum besteht vor allem aus selbstständiger künstlerischer Arbeit mit verschiedensten Materialien und Medien der bildenden Kunst. Bis zu 100 Arbeitsplätze können zur Verfügung gestellt werden. Jeder schafft frei und unabhängig, verfeinert seine Technik und setzt sich im künstlerischen Prozess mit seinem Werk auseinander. Ein Team aus Künstlern und Therapeuten ermöglicht die nötige Atmosphäre, einen schützenden Raum und begegnet den Menschen mit einer respektvollen, verlässlichen und offenen Haltung auf Augenhöhe. Die Mitarbeiter sind neugierig, empathisch und humorvoll. In dieser Atmosphäre finden die Kunstschaffenden zur Selbstwirksamkeit, Kraft und neuem Lebensmut. 

Wichtiger Bestandteil der ‚Ateliers – Living Museum‘ in Wil ist das dazugehörige Café, das ebenfalls von den Patienten selbst betrieben wird. Es ist ein wichtiger Ort für Schaffenspausen, Gespräche, Ausstellungen und den Kontakt zur Außenwelt: es steht mit seinem leckeren und gesunden Angebot für alle Besucher offen.“

i-Punkt: „Wenn Sie zurück denken: gab es einen Moment, der Sie besonders nachhaltig beeindruckt hat?“

Beata Kruk: „Besonders beeindruckend war es für mich einige Monate nach meinem Aufenthalt wieder in die Schweiz zu gehen, um die Kunstmesse in den ‚Ateliers – Living Museum‘ mitzuerleben. Einige der Patienten, die ich während meines Aufenthaltes betreut hatte, sah ich wieder. Sie haben in dieser Zeit unglaubliche Fortschritte gemacht, nahmen an der Messe teil und verkauften ihre Werke erfolgreich zu den marktüblichen Preisen. Es war wunderbar zu sehen, wie stolz und glücklich sie waren und wieviel psychische Stabilität sie dadurch gewonnen haben!“

i-Punkt: „Was haben Sie von Ihrem Aufenthalt in Wil für sich mitgenommen?“

Beata Kruk: „Ich habe immer nach einem Bereich gesucht, indem die Potentiale künstlerischer Prozesse sinnvoll und nachhaltig eingesetzt werden können und Menschen zuteilwerden, die daraus Positives für sich selbst schöpfen können. Im Konzept ‚Living Museum‘ ist all das zu finden. Und schon während meines Aufenthaltes dort stand für mich fest, dass das Angebot auch die Menschen in Potsdam zur Verfügung stehen sollte.“

i-Punkt: „Wäre so ein Living Museum nicht auch was für Potsdam?“

Beata Kruk: „Definitiv! Das Living Museum ist bereits international vertreten, z.B. in Holland, Korea, Brasilien. Weitere Standorte sind im Aufbau. Auch die Pläne für ein ‚Living Museum Potsdam‘ stehen und werden in naher Zukunft umgesetzt, als ersten Standort seiner Art in Deutschland. Die Institution besitzt eine schlanke Organisationsstruktur und dadurch das Potenzial, Gesundheitssysteme finanziell zu entlasten. Sie belebt Kultur und Gesellschaft, leistet einen Beitrag zur Teilhabe und fördert eine neue Wahrnehmung.

Das ‚Living Museum Potsdam‘ wird zusätzlich ein Residenzprogramm für Bildende Künstler beinhalten, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren.“

i-Punkt: „Das klingt unglaublich spannend. Vielen Dank, Frau Kruk, für Ihre Zeit und wir drücken auf jeden Fall die Daumen für ein Living Museum Potsdam!“

Links:

Ateliers – Living Museum Wil, St. Gallen, Schweiz

Homepage des Living Museum Vereins

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